Die Tiroler - Nr. 503

EUREGIO TIROL FREITAG, 6.5.2022 | NR. 503 2 Österreich ist im Ranking der Pressefreiheit massiv abgestürzt. Spätestens jetzt sollten die Alarmglocken schrillen. Es braucht endlich eine Neuaufstellung der Medienförderung und ein Informationsfreiheitsgesetz. Die Reporter ohne Grenzen veröffentlichen jedes Jahr das Ranking der Pressefreiheit. Österreich hatte sich in den letzten zwei Jahren nach der Ibiza-Affäre wieder leicht verbessert, nun ist es drastisch abgerutscht – und zwar von Platz 17 auf Platz 31 von 180. Neben Angriffen auf Journalistinnen und Journalisten während Corona-Demos kritisieren die Reporter ohne Grenzen die Medienförderung, die Inserate der öffentlichen Hand und das immer noch fehlende Informationsfreiheitsgesetz. All diese Probleme sind überaus ernst zu nehmen. Besonders problematisch ist die Abhängigkeit von Inseraten. Sie führt dazu, dass Medien nicht in gleichem Ausmaß unabhängig berichten. Es braucht eine Neuaufstellung der Medienförderung, die an Qualitätskriterien gebunden werden sollte, und ein Ende der übertriebenen Inseratenschaltung öffentlicher Stellen. Die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten wird noch weiter erschwert, wenn Amtsgeheimnis und Datenschutzgrundverordnung als Vorwand herangezogen werden können, um ihnen keine Informationen erteilen zu müssen. Eine freie Presse ist aber unerlässlich für das Funktionieren der Demokratie. Nur wenn die Medien Menschen mit unabhängigen, gut recherchierten Informationen versorgen können, können die Wählerinnen und Wähler sich eine fundierte Meinung bilden. Die Politik profitiert leider von steuerbaren Medien, wie die Inseraten- und Umfragenaffäre kürzlich deutlich gezeigt hat. Deshalb hält sich der Wille, wirklich etwas zu ändern, leider in Grenzen. Es ist also höchste Zeit, dass die Wählerinnen und Wähler sich für die Freiheit der Medien einsetzen und entsprechende Änderungen – sowohl bei der Medienförderung und den Inseraten als auch bei der Informationsfreiheit – einfordern. maria.knipswitting@athesia.at Lebenswelten Jugendlicher in der Europaregion Euregio-Studie mit über 6.300 Vierzehn- bis Sechszehnjährigen 6.300 Jugendliche imAlter von 14 bis 16 Jahren aus dendrei LändernTirol, Südtirol und demTrentino gaben im Jahr 2020 Auskunft über ihre Lebenswelt. Befragt wurden die Jugendlichen zu ihren individuellen Einstellungen, ihren jeweils eigenen Haltungen und Meinungen zu sieben zentralen gesellschaftsrelevanten Themenfeldern. Diese umfassten neben Schule, Freizeitbeschäftigung oder Sport auch deren Wertevorstellungen, ihre Zukunftsaussichten oder religiöse Anschauungen. Die Studie wurde im Rahmen eines gemeinsamen Schwerpunktprojekts der Tiroler Euregio-Präsidentschaft mit den pädagogischen Hochschulen in Tirol, dem Südtiroler Landesinstitut für Statistik (ASTAT) und der Bildungsdirektion des Trentino ausgearbeitet. Insgesamt wirkten 19 AutorInnen aus allen drei Landesteilen der Euregio sowie Österreich und Deutschland mit. „Es freut mich, dass 90 Prozent der befragten jungen Menschen ihrer Zukunft positiv entgegensehen, sich aber dennoch Gedanken über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und vor allem auch über demokratische Werte machen“, betonte Jugendlandesrat Anton Mattle bei der Präsentation der Studie in Innsbruck diese Woche. In den Zeitraum der Erhebung fiel die Coronapandemie mit anhaltenden Beschränkungen, Veränderungen und daran anschließende Diskussionen. „Der Alltag der Jugendlichen hat sich genau während der Zeitspanne der Erhebung stark verändert – und deshalb spielte auch die Diskussion um gelebte Demokratie eine größere Rolle.“ Hoher Grad an politischer Mitwirkungsbereitschaft Knapp die Hälfte der Jugendlichen in der Euregio ist sehr bzw. ziemlich zufrieden mit der in ihrem Land gelebten Demokratie. Ein wichtiger Ort der Demokratieerziehung ist die Schule. Unter den Jugendlichen in der Euregio besteht ein hoher Grad an politischer Mitwirkungsbereitschaft im schulischen Kontext. Schule wird ganz klar als Ort wahrgenommen, an dem demokratische Werte gelten und vermittelt werden. Großteil der Jugendlichen offen für andere Kulturen In ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld, der Schule, fühlen sich die befragten Jugendlichen offenbar wohl: 80 Prozent geben an, gute Freunde in der Schule zu haben und nur sieben Prozent haben das Gefühl, in den Pausen nicht integriert zu sein. „Auffällig ist die Offenheit in sozialen Fragen. Die Jugendlichen haben ihrer eigenen Einschätzung nach kaum Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung und 85 Prozent stimmen der Aussage eher zu, dass im Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen jede und jeder profitieren könne“, informierten die Studienautoren Nikolaus Janovsky von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein (KPH) und Paul Resinger von der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT). 69 Prozent der 14- bis 16Jährigen stimmten eher oder ganz der Frage zu, dass man Flüchtlingen helfen und diese im eigenen Land willkommen heißen sollte. 38 Prozent der Jugendlichen gaben an, oft oder häufig über den Sinn des Lebens nachzudenken, die religiöse Überzeugung schien dabei eher weniger eine Rolle zu spielen. Auffällig sei, dass sich 16 Prozent der Jugendlichen als (eher) religiös bezeichneten, jedoch 30 Prozent angaben, an Gott zu glauben. Junge Menschen erfreuen sich guter Gesundheit Hinsichtlich der allgemeinen Gesundheitswahrnehmung der in der Studie befragten 14bis 16-Jährigen ist die Situation überwiegend positiv. Fast ein Drittel der Befragten beschrieb den eigenen Gesundheitszustand sogar als ausgezeichnet. Die Gesundheit wurde von fast keinem der Befragten als schlecht wahrgenommen. „Das könnte auch damit zusammenhängen, dass Sport für 69 Prozent der Buben und 55 Prozent der Mädchen zu den oft ausgeführten Freizeitaktivitäten gehört“, so die Studienautoren. Pro Tag haben 14- bis 16-Jährige zwischen drei und sechs Stunden Freizeit. Diese verbringen über 80 Prozent der Jugendlichen oft im Internet, wobei soziale Netzwerke und damit der Kontakt zu FreundInnen eine wichtige Rolle spielen. Nur etwa ein Viertel der Jugendlichen engagiert sich hingegen oft in einem Verein oder gibt an, in seiner Freizeit an Projekten mitzuwirken. Ergänzend zur Studie wird eine „LebensweltenBroschüre“ veröffentlicht. „Diese ist vor allem für Personen, die beruflich oder privat mit Jugendlichen und mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun haben, aufschlussreich“, ist LR Mattle überzeugt. Bei der Präsentation der Euregio-Studie zu den Lebenswelten von Jugendlichen in Tirol, Südtirol und im Trentino: (von links) Studienautor Nikolaus Janovsky (KPH), LR Anton Mattle und Irmgard Plattner, Vizerektorin der PHT. FOTO: © LAND TIROL/HULDSCHINER Euregio-Innovationspreis imZeichen von Gesundheit und Life Sciences Wer in der Euregio innovative Produkte, Technologien oder Dienstleistungen im Bereich von Gesundheit und Biowissenschaft entwickelt hat, kann sich bis zum 31. Mai um den Innovationspreis bewerben. Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino hat gemeinsam mit den Wirtschafts- und Handelskammern der Europaregion – nunmehr zum fünften Mal – den Euregio-Innnovationspreis ausgeschrieben. In diesem Jahr steht das Thema „Gesundheit und Life Sciences“ im Mittelpunkt. „Die große Bedeutung der Gesundheitsund Biowissenschaften wurde uns nicht zuletzt von der Corona-Pandemie vor Augen geführt“, betont Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher, der in der Landesregierung derzeit neben der Forschung und Innovation auch die Gesundheitsagenden betreut. „Forschungsfortschritte in diesem Bereich erhöhen die Lebenserwartung und verbessern die Lebensqualität“, betont Kompatscher. Der Landeshauptmann ruft Forschende und Unternehmen zur Beteiligung auf. Bewerbungen bis zum 31. Mai Unternehmen und Forschende können ihre innovativen Produkte, Technologien und Dienstleistungen im Bereich von Gesundheit und Biowissenschaften bis zum 31. Mai 2022 einreichen. Die Einreichung ist in den drei Kategorien Biotechnologie und Pharma, Lebensmitteltechnologie und gesunde Ernährung sowie Digital Health und Medizintechnik möglich. Teilnehmende sollten entweder aus der Europaregion stammen oder in einem Unternehmen, einer Universität, einer Hochschule oder einer Forschungseinrichtung der Euregio tätig sein. Die ersten drei Preise beinhalten ein gemeinsames Coaching der Standortagenturen im Wert von 5000 Euro pro Gewinner, zusätzlich wird ein Betrag von 1000 bis 5000 Euro als Preisgeld ausbezahlt. Die Finalisten werden eingeladen, am 20. und 21. August bei den Tiroltagen des Europäischen Forums Alpbach ihre Einreichungen der hochkarätigen Jury unter dem Vorsitz von Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding GmbH, vorzustellen. Die Preisverleihung findet am 21. August statt. Informationen: www.euregio.info/innovation Foto: © Unsplash/ Michael Longmire KOMMENTAR

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