Die Tiroler Basics - Nr. 508

WIRTSCHAFT FREITAG, 15.7.2022 | NR. 508 5 Droge Macht Wir leben in einer Zeit voller Herausforderungen. Aber die Oppositionsparteien sind damit beschäftigt, Regierungsparteien zu beschuldigen und anzuschütten. Dass die Menschen das Vertrauen verlieren, darf einen nicht wundern. Denn irgendwas bleibt immer hängen, auch wenn die meisten Anschuldigungen wohl falsch sind. Es ist notwendig und richtig, Fehler und vermutete Korruption aufzuzeigen und zu untersuchen. Aber ehrlich und nicht um Schlagzeilen zu bekommen, die die eigene Sichtbarkeit durch die Medien verstärkt. Denn viele Oppositionspolitiker brauchen nach den nächsten Wahlen wieder ein Mandat, weil sie keinen Brotberuf haben, der sie ernährt. Manche haben wohl auch einfach eine gestörte Persönlichkeit, wenn man ihnen so zuhört. Es ist nur logisch, dass viele ehrlich und hart arbeitende Spitzenpolitiker das Handtuch werfen. Und es ist in den wenigsten Fällen das Alter, das sie in die Pension, manche auch ins Burnout treibt. Denn Politik ist ihr Leben. 24-Stunden Erreichbarkeit ihre Normalität. Sie haben oft Jahrzehnte Familien und Freunde vernachlässigt, denn sie fühlten sich verantwortlich für alle Menschen in ihrem Land. Da mag sich da und dort eine gewisse Überheblichkeit im Tun eingeschlichen haben. Das soll man auch sachlich aufzeigen. Die Menschen würden sich so mehr für Politik interessieren und der Effekt wäre somit für alle besser. Es wird wohl immer schwerer, geeignete Personen für ein politisches Amt zu finden, weil sich das kaum noch jemand antut, wäre da nicht die Droge Macht. Das heißt, dass sich die Wahllisten auch diesmal füllen werden. Ist nur die Frage, ob sie mit geeigneten Personen gefüllt sein werden, die imstande sind, in dieser entscheidenden Zeit richtig zu handeln. Die Pandemie hat uns nicht wachgerüttelt und zu den richtigen Prioritäten geführt, sondern viele Menschen psychisch so belastet, dass sich eher Missgunst und aggressive Verhaltensweisen verstärkt haben. Es ist allen, die in dieser Zeit Verantwortung übernehmen, Glück zu wünschen. Denn von ihrem richtigen Handeln hängt viel für uns alle ab. Forderemehr Rücksicht Große Herausforderungen für die Finanzbranche Aufschlussreiche Einblicke in die derzeitige Finanzmarktlage gab es vor kurzem imRahmen eines Spartentreffens der Banken und Versicherungen Westösterreichs in der Tiroler Wirtschaftskammer. Gottried Haber, OeNB-Vizegouverneur, Aufsichtsrat der Finanzmarktaufsicht (FMA) und Mitglied des Finanzmarktstabilitätsgremiums (FMSG), zeigte einerseits aktuelle Entwicklungen in Sachen Zinsen und Inflation auf. Andererseits griff er in seinem Vortrag das Thema nachhaltige Immobilienkreditvergabe auf, das gerade in den westlichen Bundesländern von großer Brisanz ist und im Anschluss entsprechend intensiv diskutiert wurde. Eine weitere Herausforderung für die Finanzbranche und die Gesellschaft insgesamt stellen künftig die ESG-Kriterien (environmental, social, governance) dar. Als Gastgeber freute sich der Obmann der Tiroler Sparte Bank und Versicherung, Hans Unterdorfer, über eine gelungene, informative Veranstaltung, die von der OeNB West in Zusammenarbeit mit der Sparte organisiert wurde. „Es ist eine Win-win-Situation, wenn die Beaufsichtigten und die Aufsicht eine gute Zusammenarbeit pflegen. Deshalb schätzen wir es sehr, dass Vizegouverneur Haber und andere hochrangige Vertreter der Aufsicht regelmäßig für einen konstruktiven Austausch in den Bundesländern zur Verfügung stehen“, so Unterdorfer. In seiner Funktion als oberster Interessensvertreter der Tiroler Banken schloss er dem aber auch den Wunsch nach etwas mehr Proportionalität und Rücksicht auf lokale Gegebenheiten in der Regulierung und der Beaufsichtigung der heimischen Banken an. Hans Unterdorfer, Obmann der Sparte Bank und Versicherung (rechts) und Armin Schneider, Direktor der OeNB West (links), freuten sich, OeNB-Vizegouverneur Gottfried Haber als Gastredner in der Tiroler Wirtschaftskammer begrüßen zu können. FOTO: WK TIROL Großer Innovationsgeist Seit 2021 verfolgt das Land Tirol eine umfassende Wirtschafts- und Innovationsstrategie Weltweit tätige Industriebetriebe, tausende Klein- und Mittelbetriebe und innovative Köpfe in zahlreichen Start-Ups: Diese Vielfalt prägt den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Tirol. „Darauf können wir stolz sein: Wir haben in Tirol ein vielseitiges Unternehmertum, das sich vor allem durch die Digitalisierung am heimischen und am internationalen Markt weiter positioniert. Das soll weiterhin gefördert werden, denn wenn Tiroler Unternehmen erfolgreich sind, profitiert die gesamte Bevölkerung vom Wohlstand und Fortschritt. Von Familienunternehmerinnen und Familienunternehmern bis hin zu innovativen Kleinbetrieben sollen alle in Tirol einen fruchtbaren Boden für Tradition, Innovationen und digitalen Fortschritt finden“, erklärt Wirtschafts- und Digitalisierungslandesrat Anton Mattle und verweist beispielhaft auf die Innsbrucker Kommunikationsagentur COMM.AG, welche er im Rahmen eines Betriebsbesuchs kürzlich besichtigt hat. LRMattle: „Die COMM.AG ist eines von vielen Beispielen in Tirol, das zeigt, wie innovative Denkansätze erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden können.“ FOTO: © LAND TIROL/KREPPER „Die COMM.AG ist eines von vielen Beispielen in Tirol, das zeigt, wie innovative Denkansätze erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden können“, sagt LRMattle und gratuliert demUnternehmen zur kürzlich vom European Real Estate Brand Institute aus Berlin überreichten Auszeichnung als „Stärkste Kommunikationsagentur Österreichs der Immobilienbranche“. 150 Millionen für Breitbandund Digitalisierungsoffensive Zudem wird im Rahmen der Breitband- und Digitalisierungsoffensive des Landes die Tiroler Wirtschaft in Form von Beratungen und Förderungen von innovativen Digitalisierungsprojekten unterstützt. Allein im Vorjahr haben rund 170 Tiroler Unternehmen von den Förderprogrammen des Landes sowie dem umfassenden Ausbau von Breitbandnetzen in Tirol profitiert. „Durch die Breitband- und Digitalisierungsoffensive, im Rahmen derer bis zum Jahr 2023 insgesamt rund 150 Millionen Euro investiert werden, unterstützt das Land Tirol die Tiroler Bevölkerung und die Tiroler Wirtschaft durch den flächendeckenden Ausbau von zukunftsfähigen Breitbandnetzen und Glasfaseranschlüssen. Denn nur wenn die Rahmenbedingungen passen, bleibt Tirol weiterhin ein starker und attraktiver Standort für Wirtschaft und Industrie“, sagt LR Mattle und verweist in diesem Zusammenhang auf die Wirtschafts- und Innovationsstrategie des Landes. Innovation trifft Kommunikation Im Rahmen des Betriebsbesuchs bei der COMM.AG und Gründer Heinz Wolf sowie seinem dreiköpfigen Führungsteam Michael Flörl, Hauke Staschen und Florian Schlosser, nutzte LR Mattle einmal mehr die Gelegenheit, Input aus der Praxis für die weitere Arbeit mitzunehmen: „Im Arbeitsprozess setzt die Agentur vor allem auf wissenschaftliche Ansätze wie die sogenannten Megatrends der Trend- und Zukunftsforschung. Von der Beratung über die Kampagnenentwicklung bis hin zu fotorealistischen 3D-Visualisierungen werden Leistungen direkt imHaus realisiert. Das wäre ohne Digitalisierung nicht möglich und zeigt eindrucksvoll, wie durch Digitalisierung und Unternehmergeist in Tirol Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden.“ „Wir freuen uns sehr, dass unsere Arbeit geschätzt wird. In unseren Projekten im Immobilienbereich, aber auch in allen anderen Bereichen, ist für uns der Blick in die Zukunft enorm wichtig. Die Digitalisierung spielt dabei eine essenzielle Rolle und deshalb freut es uns umso mehr, unsere Ideen und Perspektiven teilen zu können“, sagt Gründer Heinz Wolf. Eine lang gewünschte Gesetzesnovelle im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) ist jetzt in Kraft. Darin wurde eine Spekulationsfrist für Eigentumswohnungen, welche von gemeinnützigen Bauträgern errichtet wurden, eingeführt. Das bedeutet, dass fünfzehn Jahre ab Vertragsabschluss ein Vorkaufsrecht zugunsten der Bauvereinigung im Grundbuch einzutragen ist. Ein Verkauf in diesem Zeitraum ist nur eingeschränkt und unter bestimmten Voraussetzungen möglich. „Die gemeinnützigen Bauträger Tirols haben diese Forderung wiederholt in Wien deponiert“, erklärt dazu GBV-Obmann Franz Mariacher: „Nun ist es endlich gelungen, auch mit entsprechendem Rückenwind durch die Tiroler Landesregierung, diese längst fällige Reglementierung einzuführen.“ Gemeinnützige begrüßen Spekulationsbremse

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