Die Tiroler Basics - Nr. 510

Das mysteriöse Verschwinden von Wölfen in Tirol Mittlerweile gehört das Thema Wolf zum festen Bestandteil der Tiroler Stammtische, politischen Diskussionen und natürlich der medialen Berichterstattung. Sozusagen ein Dauerbrenner erster Güte, der viele Gemüter erhitzt. Doch selten geht man bei diesem Thema in die Tiefe. Im Zuge von Dreharbeiten zu einer Wolfs-Doku war der Autor vergangenes Jahr wochenlang in allen Landesteilen nördlich und südlich des Brenners unterwegs, um zu versuchen, dieses komplexe Thema zu ergründen. Und wir haben zugehört. Das, was viele Dutzend Menschen zum Thema Wolf in Tirol zu sagen haben. Nicht alle wollten damals vor die Kamera. Und einige hochbrisante Erlebnisse wurden nur mit dem Versprechen der Anonymität weitergegeben. Schnell ist man im Dorf ausgegrenzt, wenn man nicht dem Mainstream folgt. Für große Aufregung sorgte zuletzt ein Abschussbescheid des Landes Tirol für zwei Wölfe in Osttirol. Noch dazu weil die beiden Tiere laut Augenzeugenberichten für Nachwuchs gesorgt hatten. Entsteht dort das erste Rudel auf Tiroler Boden? Alarmstufe Rot für Wolfsgegner. Bei Gesprächen zur genannten Wolfs-Doku 2021 wurden die Blicke von Interviewpartnern gleich mehrfach sehr ernst, wenn es um das Thema Rudelbildung in Tirol ging. Da wird plötzlich von einer Reihe von Sichtungen von Wolfswelpen berichtet. Und Welpen gibt es nur bei Rudelbildung. Wenn wir diese Sichtungen zusammenzählen, kommen wir auf mehr als 15. Berichtet wird dies aus zwei Gegenden. Einerseits aus dem Oberen Gericht, andererseits aus dem Raum zwischen Kühtai und dem hinteren Ötztal. Stein auf Bein wird von Insidern geschworen, es habe bereits Rudel gegeben. Und sie wären wieder auf mysteriöse Weise verschwunden. Ein Phänomen, das auch der WWF kennt. Doch öffentlich spricht niemand darüber. Und da ist da noch die Geschichte von den fünf Wolfskadavern, die vor drei Jahren bei Arbeiten auf einer Baustelle entdeckt worden sein sollen, als bei einem Stausee unweit von Innsbruck das Wasser abgelassen worden war. Wir können nicht beweisen, dass jemand diese getöteten Wölfe im zuvor vollen See verschwinden lassen hat. Aber die Schilderungen zum Fund sind glaubwürdig. Selbst Fotos davon kursieren. Da stellt sich die Frage, wo geht die Reise hin? manfred.schiechtl@athesia.at EUREGIO TIROL FREITAG, 9.9.2022 | NR. 510 2 Unser höchstes Gut Die Euregio gemeinsam zum Gesundheits- und Wissenschaftsstandort ausbauen Seitmittlerweile zehn Jahren richtet die EuroparegionTirol-Südtirol-Trentino im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach den Tiroltag aus, der sich als Treffpunkt und Schaufenster der Forschungslandschaft in der Euregio versteht. Die Räumlichkeit im Kongresszentrum – der Herz-Kremenak-Saal, benannt nach der österreichischen Ärztin, Visionärin und Pionierin Elisabeth Herz-Kremenak – war dabei dieses Jahr passender denn je: Das programmgebende Thema ist „Gesundheit und Regionalität: Life Sciences in der Euregio“. Der Euregio-Präsident Maurizio Fugatti (Landeshauptmann Trentino), die Südtiroler Landeshauptmannstellvertreterin Waltraud Deeg und Tirols Landeshauptmann Günther Platter berichteten in diesem Zusammenhang über die Gesundheit als Schlüsselfaktor für eine zukunftsfähige Euregio. Der Tiroltag stellt damit auch den Start für die Auseinandersetzung mit dem Thema Gesundheit des EuregioLab dar. Der sogenannte Thinktank, bestehend aus Gesundheitsexpertinnen und -experten der Euregio, wird nun prüfen, in welchen Bereichen grenzüberschreitende Maßnahmen gebraucht werden und wie diese aussehen können. Bis Ende des Jahres wird das EuregioLab dem Vorstand der Euregio ein Thesenpapier mit konkreten Maßnahmen vorlegen. Euregio-Schnittstelle Gesundheit – Standort für Life Sciences Die Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich ist für den Euregio-Vorstand eine der wichtigsten Aufgaben und gleichzeitig auch eine der größten Herausforderungen der Zukunft. Der derzeitige Euregio-Präsident aus dem Trentino Maurizio Fugatti erinnerte an zwei Jahre großen Notstands, die gezeigt hätten, wie wichtig die grenzüberschreitende Zusammenarbeit während der Pandemie war. „Die Gesundheit ist unser höchstes Gut – das hat gerade die Corona-Pandemie mit Nachdruck in unser aller Bewusstsein gerückt. Der diesjährige Tirol-Tag steht daher völlig zu Recht im Zeichen Gesundheit. Es geht darum, dass wir uns künftig nicht nur mit dem Thema Pandemie gemeinschaftlich befassen, sondern den Gesundheitsbegriff in all seinen Facetten betrachten: dazu gehören Vorsorgemaßnahmen, Behandlungen sowie Nachsorge. In den drei Ländern Tirol, Südtirol und Trentino gibt es hierbei viele Überschneidungen und wir können alle von einer gebündelten Expertise profitieren“, betonte LH Platter und unterstrich die tragende Rolle des Personals in den Tiroler Einrichtungen und die Notwendigkeit, die Euregio als Ausbildungs- und Wirkungsstätte zu stärken. Von der Spitzenmedizin bis zur Erstversorgung im ländlichen Raum, von den Rettungsdiensten bis zu den PflegerInnen in den Einrichtungen ist der Faktor Mensch maßgeblich für ein gut funktionierendes Gesundheitssystem. Gleichzeitig gilt es aber auch Tirol als Life Sciences-Standort zu profilieren. Im Bereich Beschäftigungsstand bei Pharma- und Medizintechnik sowie beim Wachstum der Wertschöpfung, Patente und Beschäftigung ist Tirol im europäischen Spitzenfeld zu finden. Es gibt jedoch auch Bereiche, in denen der Life SciencesStandort einen entsprechenden Aufholbedarf hat, etwa was die Produktivität im Bereich Pharma und Biotech, Patentoutput, Anzahl der F&E Biotech-Unternehmen betrifft. „Wir wollen deshalb gemeinsam mit den Tiroler Universitäten und Schlüsselunternehmen ein Exzellenzforschungszentrum in starker Verbindung mit der klinischen Forschung entwickeln und den Wissens- und Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft durch gezielte Betriebsansiedlungen sowie die Unterstützung von Spinn-offs und Start-ups verbessern“, betonte Platter. Das Thema Gesundheit sei auch im Rahmen der letzten beiden Euregio-Vorstandssitzungen behandelt worden: Im Gesundheitssystem wolle man die Exzellenz der drei Gebiete in struktureller, technologischer und organisatorischer Hinsicht zusammenführen, um diese weiter zu verbessern, aber auch um die Kompetenzen und Dienstleistungen zu konsolidieren und weiterzuentwickeln. Das EuregioLab könne ein wichtiger Baustein für eine koordinierte und sektorübergreifende Anstrengung aller beteiligten Akteure sein. Euregio-Länder können voneinander lernen Auch in Südtirol sei das Thema der Absicherung der Gesundheitsleistungen ein wichtiges, besonders durch, aber nicht erst seit der Pandemie, sagte die Südtiroler Landeshauptmannstellvertreterin und Soziallandesrätin Waltraud Deeg. Besonders für Kinder und Jugendliche sowie für ältere Menschen seien die Pandemiejahre mit besonderen Einschränkungen verbunden gewesen – darum gelte es nun, aufmerksam hinzuschauen und dort nachzubessern, wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Hier könnten die drei Euregio-Länder voneinander lernen, unter anderem indem sie sich über Erfahrungen austauschen, Synergien nutzen, Studien des einen Partners in lokale Lösungsansätze integrieren und somit gemeinsam neue Strategien entwickeln. LH Platter, Viezpräsidentin Deeg und LH Fugatti wollen die Euregio zu der Life Science Region für Gesundheit entwickeln. Auszeichnung an die Euregio-JungforscherInnen (von links): Vize-Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol, Barbara Thaler, Juryvorsitzende und Präsidentin der Freien Universität Bozen Ulrike Tappeiner, Chiara Valzogher (Platz 3, Universität Trient), Francesco Asnicar (Platz 2, Universität Trient), Alan Ianeselli (Platz 1, Freie Universität Bozen), LH Maurizio Fugatti (Trentino) und LH Günther Platter. FOTO: LAND TIROL/SEDLAK (3) Euregio-Innovationspreis (von links): Juryvorsitzender und Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding Josef Margreiter, Vize-Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol, Barbara Thaler, Cristiano Tomasi (Platz 3, Trentino, Unternehmen PreBiomics), Gregor Holfeld (Platz 1, Unternehmen Heart Regeneration Technologies, Innsbruck), Nathalie Hinkkanen und Ulrich Hausmann (Platz 2, Innsbruck, Unternehmen Occyo, Projekt „Occyo“), LH Günther Platter, LH Maurizio Fugatti (Trentino) und LHStvin Waltraud Deeg KOMMENTAR

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